„Verwendung von Drogen als Medizin ist nicht so besonders“

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„Verwendung von Drogen als Medizin ist nicht so besonders“

Der Bundestag hat beschlossen, Schwerkranken den Zugang zu Cannabis zu erleichtern. Das Besondere an THC oder Cannabis sei, dass es ein breites Einsatzspektrum habe, sagte Franjo Grotenhermen von der AG Cannabis als Medizin im DLF. Es müsse einfach ausprobiert werden, ob es helfe und ob es vertragen werde, so der Arzt.

Franjo Grotenhermen im Gespräch mit Doris Simon

Doris Simon: Dr. Franjo Grotenhermen ist Mediziner und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin. Diese AG gehörte zu den geladenen Sachverständigen des Bundestages. Guten Abend, Herr Grotenhermen.

Franjo Grotenhermen: Guten Abend.

Simon: Was wird mit dem Gesetz für Schmerzpatienten besser als bisher?

Grotenhermen: Nun, es eröffnet sich nicht nur für Schmerzpatienten, auch für viele andere Patienten eine weitere Therapieoption. Es ist immer so, dass bei chronischen Erkrankungen bestimmte Medikamente helfen. Opiate sind oft sehr wirksam. Bei einem Teil der Patienten helfen sie nicht und bei einem Teil dieser Patienten helfen dann Cannabis-Produkte.

Simon: Bis jetzt gab es aber auch schon die Möglichkeit, Cannabis-Produkte zu bekommen.

Grotenhermen: Genau das ist richtig. Man konnte auch bisher Cannabis, zum Beispiel Dronabinol oder THC oder Cannabis-Extrakt Sativex oder in Ausnahmen auch Cannabis-Blüten bekommen. Das Problem war immer, die Patienten müssen selber zahlen, und viele chronische Patienten sind nicht mehr im Arbeitsleben, und für die ist dann 300, 400, 500 oder 600 Euro eine Menge Geld, sodass sie oft untertherapiert waren.

„Patienten sollen Cannabis nicht als Ersttherapie bekommen“

Simon: Das heißt, das Geld beziehungsweise jetzt die Erstattung ist ein Vorteil aus Ihrer Sicht. Nach wie vor müssen die Krankenkassen die Cannabis-Abgabe genehmigen. Ist das zurecht so?

Grotenhermen: Ja, das hat man ein bisschen abgeschwächt. Es ist schon so, dass man sagt, die Patienten sollen jetzt Cannabis nicht als Ersttherapie bekommen. Es soll schon klar sein, dass schon Einiges ausprobiert worden ist. Ab einem bestimmten Punkt soll aber Arzt und Patient sagen dürfen, jetzt reicht es aber mit dem Ausprobieren und jetzt ist eine Cannabis-Therapie indiziert. Es ist jetzt nicht eine ganz strenge Austherapiertheit. Man hat das sicherlich deswegen gemacht, weil man bei vielen Indikationen einfach zu wenig klinische Daten hat, um jetzt einen breitflächigen Einsatz von Cannabis zu rechtfertigen bei allen Indikationen. Aber man hat natürlich auch gesehen, dass Cannabis vielen Patienten hilft, und man möchte dieses Dilemma lösen, trotz fehlender klinischer Daten zu sagen, okay, den Patienten, wo es offensichtlich hilft, wollen wir jetzt die Möglichkeit geben, dass sie es auch wirklich bekommen können und nicht nur theoretisch auf dem Papier mit einer Erlaubnis, sondern auch dann, wenn sie es sich nicht leisten können, auch diese Therapie durchführen können.

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By | 2018-01-31T15:41:54+00:00 Januar 27th, 2017|News|Kommentare deaktiviert für „Verwendung von Drogen als Medizin ist nicht so besonders“

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