Cannabinoide & CBD

In Cannabis wurden mehr als 60 Cannabinoide identifiziert, die bis dato in keiner anderen Pflanze gefunden wurden. Am häufigsten vorhanden sind Cannabigerol (CBG), Cannabichromen (CBC), Cannabidiol (CBD), Δ9-THC und Cannabinol (CBN). Die Cannabinoid-Verteilung schwankt zwischen verschiedenen Cannabissorten, und normalerweise findet man in einer Pflanze nur drei oder vier Cannabinoide in Konzentrationen über 0,1 %.

Δ9-THC ist unter anderem verantwortlich für die pharmakologische Wirkung von Cannabis, einschließlich seiner psychoaktiven Eigenschaften, obwohl auch andere Inhaltsstoffe der Cannabispflanze zu dieser Wirkung beitragen. Insbesondere CBD, ein nicht-psychoaktives Phytocannabinoid, das in einigen Cannabissorten vorkommt, hat entzündungshemmende, schmerzlindernde, angstlösende und antipsychotische Eigenschaften.

Als „Phytocannabinoide“ bezeichnet man die natürlichen Pflanzenwirkstoffe, als „Endocannabinoide“ die natürlichen körpereigenen Wirkstoffe, also die endogenen Liganden der Cannabinoid-Rezeptoren

Cannabidiol

Cannabidiol (CBD) ist in der Regel das wichtigste Cannabinoid im Faser- oder Industriehanf und das am zweithäufigsten verwendete Cannabinoid in Arzneimitteln aus der Hanfpflanze. Im Faserhanf ist Cannabidiol in einem Konzentrationsbereich von etwa 0,5 bis 2,0% im oberen Drittel der Pflanze und in den Blüten zu finden.

CBD verursacht keinerlei psychoaktive Wirkung und ist auf der ganzen Welt legal.
Gelegentlich wird die These vertreten, die medizinische Bedeutung von CBD sei sogar noch größer als die von THC. Seine fehlende psychotrope Wirkung ist ein enormer Vorteil, da es sicher konsumiert werden kann, ohne davon berauscht und arbeitsunfähig zu werden.  Außerdem ist es bekannt für seine zahllosen gesundheitsfördernden Eigenschaften, von denen viele zweifellos noch auf ihre Entdeckung warten.

So verfügt CBD über schmerzlindernde, antidepressive und angstlösende Eigenschaften. Es wird nun auch auf seine neuroprotektiven Fähigkeiten hin untersucht. Bei der Neuroprotektion werden die Strukturen des Gehirns und des Zentralnervensystems vor Schäden geschützt (einschließlich einer weiteren Schädigung, falls bereits degenerative Krankheiten wie Parkinson vorliegen). Es handelt sich um ein eminent wichtiges medizinisches Gebiet, dessen Bedeutung immer mehr wächst.

CBD wirkt antibakteriell gegen gefährliche Keime wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus – eine durch den breiten Einsatz von Antibiotika seit den 1960er Jahren zunehmend auftretende resistente Staphylokokkenart). Zudem wirkt CBD anti-epiletisch, angstlösend, entzündungshemmend und entkrampfend, wirkt als Antioxidans und lindert Übelkeit.

Die meisten CBD-Wirkungsspektren wurden bislang nur in Tierversuchen nachgewiesen. Mittlerweile gibt es allerdings Erfahrungsberichte von Patienten, die CBD bei Epilepsie, posttraumatischen Belastungsstörungen, Tourette-Syndrom, Morbus Bechterew, Multipler Sklerose und vielem mehr positiv eingesetzt haben. Cannabidiol hemmt auch die Wirkung von THC.

Endocannabinoid System

Das Endocannabinoid-System besteht aus den Cannabinoid-Rezeptoren, den Endocannabinoiden sowie den synthetisierenden und abbauenden Enzymen. Es stellt ein hochkomplexes und äußerst wichtiges, physiologisches System dar, das eine Reihe von Stoffwechselprozessen beeinflusst.

Primäre Funktionen des ECS scheinen die Aufrechterhaltung der körpereigenen Homöostase und die Vermittlung der Erholung des Körpers von Stress zu sein. Dazu greifen die Endocannabinoide in unterschiedliche Regulationssysteme ein und senken beispielsweise den Blutdruck, die Körpertemperatur, die Schmerz- und Angstwahrnehmung, regulieren Muskelspannung und Erregungsleitung im Gehirn und stimulieren Appetit und Belohnungsverhalten.

Mit der Entdeckung der beiden Cannabinoid-Rezeptoren, CB1 und CB2, wurde die molekulare Basis für die Wirksamkeit von Δ9-THC erklärt und erstmals die Existenz eines körpereigenen Cannabinoid-Systems postuliert. CB1-Rezeptoren kommen in vielen Bereichen des Zentralen Nervensystems (ZNS) in großer Dichte vor und zählen zu den häufigsten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren im Gehirn. In geringerer Zahl finden sie sich auch in verschiedenen peripheren Organen (Milz, Magen, Rückenmark, Lunge…)

CB2-Rezeptoren werden vorrangig von Zellen des Immunsystems exprimiert und sind in geringer Dichte im Gehirn (Mikroglia, Stammhirn) und in den Keratinozyten der Haut nachweisbar. Wie die CB1-Rezeptoren gehören auch sie zu den G-Protein-gekoppelten Rezeptoren. Ihre Aktivierung setzt eine Signalkaskade in Gang (Inhibierung der Adenylatzyklase, intrazelluläre Kalzium-Freisetzung, Hemmung des Kaliumausstroms), die schließlich zu einer Modulation der neuronalen Erregbarkeit führt.